Koffer gepackt, Leinen los – mit Kids auf Kreuzfahrt

An Bord der A-ROSA Sena in Köln

Kreuzfahrt ist für vielen immer noch sehr Klischee-behaftet: Eine Flusskreuzfahrt klingt nach Rentnern in weißen Hosen, Shuffleboard und viel zu viel Buffet. Auf Hochseekreuzfahrt sind nur Kegelclubs und JunggesellInnenabschiede.

Aber ehrlich gesagt hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. Kreuzfahrten sind inzwischen auch für Familien richtig spannend, und wer das erste Mal mit Kindern an Bord geht, kann sich auf viele Überraschungen einstellen.

Gerade mit Kindern hat eine Hochseekreuzfahrt ihren Reiz, weil jeder auf seine Kosten kommt. Während die Kleinen in Kinderclubs basteln, spielen oder mit neu gewonnenen Freunden ins Wasser hüpfen, können wir Eltern auch mal kurz abschalten – sei es bei einem Kaffee mit Meerblick, einem Spaziergang auf Deck oder an Land. Für die gemeinsame Familienzeit gibt es sowieso genug: Pool, Kinoabende, Ausflüge oder einfach das Staunen, wenn das Schiff in den Hafen einer neuen Stadt einläuft.

Aquapark auf der MSC Euribia

Die Angst, dass den Kindern schnell langweilig wird, hat sich für uns auf den Kreuzfahrten kaum bestätigt. Die modernen Schiffe sind quasi schwimmende Freizeitparks mit Wasserrutschen und Kletterparks, Indoorspielplatz, escape Rooms und vielen mehr. Langeweile kommt da selten auf. Klar, es gibt Momente, in denen man froh ist, noch ein Kartenspiel oder ein Buch in der Tasche zu haben. Aber meistens reicht schon das Gefühl, auf einem schwimmenden „Abenteuer-Spielplatz“ zu sein. Und manchmal sind es gerade die ruhigen Augenblicke, wenn wir zusammen am Fenster sitzen und einfach nur auf die Wellen schauen, die besonders schön sind.

Blick aufs Mittelmeer aus der Außenkabine der AIDA Luna

Ein weiterer Vorteil für Familien: Man packt nur einmal den Koffer und sieht trotzdem mehrere Orte, man muss sich nicht ums Essen kümmern, und vieles – vom Babybrei bis zum Hochstuhl – ist bereits an Bord. Gleichzeitig ist ein Schiff ein geschlossener Raum, was ein Gefühl von Sicherheit gibt, auch wenn man den Kindern trotzdem Regeln mitgeben sollte. Aber natürlich gibt es auch Nachteile. Extras wie Getränke, Ausflüge oder Internet treiben den Preis nach oben, die Kabinen sind oft kleiner als Hotelzimmer und Krankheiten verbreiten sich in so einer Gemeinschaft schnell, wenn man nicht auf Hygiene achtet. Das wissen wir nach Corona nur allzu gut.

Auch beim Thema Sicherheit gibt es ein paar Dinge, die man im Kopf haben sollte. An den Pools gibt es meist keine Bademeister, also bleibt die Aufsicht bei den Eltern. Relings und Außendecks sind sicher gebaut, aber zum Klettern sind sie nicht da. Gerade mit bewegungsfreudigen Kindern kann das herausfordernd sein- ich weiß wovon ich spreche. Über Bord ist aber bei uns Gott sei Dank noch niemand gegangen.

Unser Kletteräffchen muss man immer im Auge behalten

Die Kinderanimation an Bord ist für viele Familien ein Segen. Je nach Reederei gibt es professionelle Betreuungsteams, die den Nachwuchs von vormittags bis in den Abend hinein beschäftigen, damit die Eltern vielleicht den Landausflug oder das Abendessen zu zweit genießen können. Aber nicht jedes Kind fühlt sich in einer Gruppe wohl, deshalb sollte man das vorher besprechen und nichts erzwingen. Für den jüngsten war bei unserer letzten der Kidsclub das absolute Highlight, weil er dort nonstop Spielkonsolen nutzen konnte – nicht ganz mein Verständnis von Kinderbetreuung…

Für uns persönlich ist mittlerweile aber die Flusskreuzfahrt die bessere Wahl. Warum? Weil die Schiffe kleiner sind, weniger Menschen an Bord sind und alles übersichtlicher wirkt. Das ist für Kinder wie auch für uns entspannter. Man ist näher an den Städten und Landschaften, kann häufiger an Land und hat nicht diese riesigen Menschenmengen wie auf den Hochseeschiffen. Der Nachteil: Je nach Reederei und Reisezeitraum gibt es oft gar kein Programm für Kinder. Das bedeutet, man muss selbst etwas mehr Beschäftigung einplanen und die Kids aktiv einbeziehen. Für uns war das aber in Ordnung – die ruhigere Atmosphäre hat vieles wettgemacht.

Spannend finde ich, wie sehr die Vorurteile über Kreuzfahrten auseinanderklaffen und wie wenig sie oft stimmen. Dass Flusskreuzfahrten nur etwas für alte Leute sind, können wir zum Beispiel nicht bestätigen – es gibt Reedereien wie A-Rosa, die in den Ferien spezielle Familienreisen inklusive Kids Club anbieten – aber auch sonst wir haben Familien getroffen, manche mit Babys, andere mit Teenagern. Auch das Bild vom „eingesperrt sein“ passt nicht, wenn man auf einem Schiff unterwegs ist, das wie eine kleine Stadt funktioniert. Was aber wirklich stimmt: Man sollte sich gut informieren, welche Reederei zu einem passt, sonst erlebt man böse Überraschungen – sei es bei den Kosten oder beim Angebot für Kinder.

Mein Fazit nach unseren Erfahrungen: Kreuzfahrten sind kein Allheilmittel für stressfreien Familienurlaub, aber sie haben etwas ganz Besonderes. Für uns ist die Flusskreuzfahrt aktuell ideal, weil sie überschaubar ist und wir mit den Kindern viel von den Orten mitnehmen können. Andere Familien sind vielleicht besser auf den großen Hochseeschiffen aufgehoben, wo Entertainment und Kinderprogramm im Vordergrund stehen. Beides hat seinen Reiz – und am Ende ist es vor allem wichtig, sich vorab klarzumachen, was man selbst von der Reise erwartet.

In diesem Sinne: Ahoi!

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