Mutti hat Ausgang – Mamagehttanzen im Club Bahnhof (Köln-)Ehrenfeld

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bis Ende Oktober noch nie etwas von der Veranstaltungsreihe „Mamagehttanzen“ gehört hatte. Doch als ich von meiner Freundin eine Eintrittskarte zum Geburtstag geschenkt bekam, war ich von der Idee ganz hin und weg: Zwei zweifach Mütter aus Wuppertal wollten Ende 2022 nicht länger akzeptieren, dass man als Elternteil von (vor allem jüngeren) Kindern auf das Nacht- und Clubleben verzichten musste, weil dies frühestens Mitternacht so richtig in Gang kam, aber der Nachwuchs einen am nächsten Morgen zu teils unmenschlichen Zeiten wieder weckte. Also beschlossen sie, ein Party-Konzept zu entwerfen, mit dem sie trotz des menschlichen Weckers feiern gehen konnte – und zwar in einem klar definierten Zeitfenster von 20:00 Uhr bis 23:00 Uhr. Die selbsternannte „After-Care-Party“ Mamagehttanzen war geboren. Das Konzept stieß auf eine begeisterte Anhängerschaft und nach kürzester Zeit expandierte die Party-Reihe weit über die Wuppertaler Stadtgrenzen hinaus. Nach nur einem Jahr finden Events in ganz Deutschland und sogar in Wien statt – und das immer noch parallel zum regulären Job und ohne großen Veranstalter im Rücken! Das nenn ich mal 100% Mompreneurs!

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist mamagehttanzen-titel.jpeg

Der Run auf die Tickets

Leider kam mir beim ersten Versuch Corona dazwischen. Ziemlich enttäuscht erkundigte ich mich im Internet nach anderen Gelegenheiten und siehe da: Gott sei Dank gab es bis Ende des Jahres noch monatlich eine Chance in Köln. Wäre doch gelacht, wenn es nicht bis Weihnachten klappen sollte. Über Social Media bestens informiert, saß ich pünktlich zum ersten von zwei Vorverkaufsrunden für die Party im Dezember vorm heimischen PC und schwups: ohne, dass ich überhaupt die Chance hatte, Tickets in den Warenkorb zu klicken, waren alle Karten weg! Einfach weg! Das kannte ich bisher nur von Taylor Swift oder Coldplay, aber so ner Mutti-Sause?! Wahnsinn! Allerdings war so mein Ehrgeiz geweckt. Einige Tage später ging die zweite Hälfte der 12€-Eintrittskarten in den Verkauf. Diesmal mobilisierten meine Freundinnen und ich uns etwas besser und versuchten es zu mehreren. Geschafft! Und diesmal sogar direkt zwei von uns. Im Besitz von nunmehr doppelt so vielen Tickets wie geplant, fragten wir im Freundeskreis herum, wer denn vielleicht auch noch mitkommen möchte. In Windeseile hatten wir unsere Gang von acht Mädels beisammen.

Ab nach Kölle

Anfang Dezember sollte es dann so weit sein. Die Hälfte traf sich bei einer der Mamas auf einen Prosecco vorab und machte sich mit dem Auto auf nach Köln. Im nahegelegenen City Parkhaus Köln Ehrenfeld fanden wir problemlos einen Stellplatz. Von dort aus liefen wir die knapp zehn Minuten zu Fuß zum Club Bahnhof Ehrenfeld. Die anderen vier Mädels kamen separat. Als Weihnachtsspecial angekündigt, war an diesem Abend eine Stunde vor regulärem Einlass noch ein nettes Beisammensein in der Lounge und dem Außengelände bei Glühwein und gebrannten Mandeln angekündigt worden. Das entzerrte den Einlass total und wir kamen ohne Anstehen hinein. Die Jacken wurden wir für eine kleine Mark an der Garderobe im Außengelände los und fanden uns wenige Augenblicke später an der Bar der Lounge wieder. Die Preise waren auf regulärem Clubniveau und es konnte nur bargeldlos gezahlt werden. Nebendran war ein kleiner Merchandise-Shop mit Mamagehttanzen-Produkten aufgebaut. Die Tanzfläche(n) waren noch geschlossen und wurden pünktlich um 19:30 Uhr geöffnet. Leider fiel die Bahn bei zweien von uns aus, sodass diese mitten in den großen Andrang kurz vor Beginn der eigentlichen Party kamen. Nach insgesamt 45 Minuten Anstehen an Einlass, Garderobe und Bar, stießen die zwei aber auch zu uns und wir waren endlich komplett.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist cbe.jpeg

Party auf Knopfdruck?!

Ich konnte mir das gar nicht so recht vorstellen, wie eine zeitlich festgelegte Club-Party auszusehen hatte, aber wie auf Knopfdruck war die Haupttanzfläche super voll und der DJ heizte uns Damen (und vier gesichteten Herren) von Minute eins an richtig ein. Es wurde 180 Minuten lang ein Wahnsinnsmix aus allen tanzbaren Musikgenres gespielt, von den 90ern bis zu aktuellen Hits. Und wie es sich für Köln gehörte, durften Hits von Querbeat, Kasalla und AnnenMayKantereit nicht fehlen. Die Stimmung war einfach unbeschreiblich. Die TänzerInnen hätten unterschiedlicher nicht sein können, ergaben aber eine so tolle Menge an Partybegeisterten. Als nach 178 Minuten „Tommi“ gespielt und das Licht heller wurde, realisierten wir, dass wir so schnell drei Stunden durchgetanzt hatten. Als Zugabe gab es „Barbarossaplatz“, dann hielt der DJ symbolisch für das Ende der Party das Stromkabel seines Turntables in den Händen. Dummerweise mussten jetzt natürlich alle gleichzeitig raus und zu den Jacken. Mit zehn Grad war es für Dezember nicht kalt, aber dennoch wurde es in den 15 Minuten Anstehen an der frischen Luft etwas kühl. Im Besitz unserer Jacken spazierten wir beseelt zum Auto und schwärmten von den letzten Stunden ausgelassenen Tanzens, bevor jede von uns acht eine knappe Stunde später glücklich ins eigene Bett fiel.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist mamagehttanzen-christine-1.jpg

Die Sache mit der Gleichberechtigung

Im Netz hatte ich im Vorfeld von einigen kritischen Stimmen gelesen, die meinten, dass das ja wieder typisch für die klassische Rollenverteilung wäre: die Mama müsste schauen, wie sie feiern ginge, damit sie am nächsten Tag bloß nicht bei der Carearbeit innerhalb der Familie ausfiele. Ob es denn demnächst auch ein Papagehttanzen gäbe?! Ich kann nur sagen, dass man weder bei Buchung noch am Einlass das eigene Geschlecht angeben musste. Es konnte jeder mitfeiern, der mitfeiern wollte. Auch empfinde ich das Konzept mitnichten in irgendeiner Weise diskriminierend Müttern gegenüber – im Gegenteil! Ich zum Beispiel benötigte immer schon überdurchschnittlich viel Schlaf. Wenn ich den nicht bekomme, dann ist für ich der nächste Tag gelaufen. Daher kam für mich die letzten Jahre langes Ausgehen selten in Frage. Und das nicht, weil mein Mann am nächsten Tag den Familienalltag nicht bewältigen wollte oder konnte, sondern weil ich am Wochenende die Zeit mit der Familie nicht verschlafen oder nur schlecht gelaunt erleben wollte. Wenn ich sonst auch eine große Verfechterin der Gleichberechtigung bin, ist diese Kritik an Mamagehttanzen meines Erachtens völlig unangebracht.

Für meine sieben Mittänzerinnen und mich ist es definitiv nicht die letzte Mamagehttanzen-Party gewesen!

In diesem Sinne: Maacht et joot!

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert